Mein Chef lobt mich nicht!

Diese Aussage höre ich nicht selten, wenn ich mit Sekretärinnen oder Assistentinnen arbeite. Wenn wir dann genauer hinschauen, gibt es unterschiedliche Ansätze:

  • Nehme ich Lob an oder „wehre“ ich es ab?
  • Gibt es Lob auf eine andere Art, als ich es erwarte?
  • Lade ich ihn oder sie zu Feedback ein – das dann ein Lob werden kann?
  • Wie sieht es mit meinem Selbstbewusstsein aus: Warum brauche ich Lob?
  • Oder ganz schwäbisch = wenn ich nichts höre, ist das bereits ein Lob!

Was meine ich mit diesen Ansätzen?

Oft erleben Führungskräfte, die Loben wollen Sätze wie „Das habe ich doch gerne gemacht“ oder „Das war selbstverständlich“ oder auch „Das ging ganz einfach“. Wenn Sie loben wollen und solche Antworten erhalten – wie motiviert sind Sie, weiter zu loben? Prüfen Sie in Ihrem Alltag, wie Sie mit Lob umgehen. Machen Sie das Lob klein oder können Sie mit einem souveränen „Danke“ Lob annehmen?

Lob wird auf eine bestimmte Art und Weise erwartet. Sie haben z. B. eine komplizierte Reise geplant. Der Chef kommt zurück, es hat alles geklappt. Die Assistentin erwartet nun ein Lob für die Reiseorganisation. Stattdessen hat der Chef ihr von unterwegs etwas mitgebracht, sagt aber zur Reiseplanung nichts. Prüfen Sie, welche Reaktionen Sie von Ihrer Vorgesetzten bekommen Vielleicht ist doch das eine oder andere dabei, was ein Lob sein kann?

Nehmen wir die gleiche Situation für den nächsten Ansatz. Der Vorgesetzte sagt nichts, als er von der Reise wieder zurück ist. Statt auf Lob zu warten, können Sie ihn oder sie zu Feedback einladen. Sie könnten fragen, ob die Umsteigezeit am bisher noch nicht angeflogenen Flughafen passend war. Daraus kann sich dann auch ein Feedback des Vorgesetzten ergeben.

Bleiben wir bei der gleichen Situation: Warum erwarten Sie ein Lob? Ist es nicht vielleicht Ihre Aufgabe, Reisen zu organisieren – also auch schwierige? Wenn Sie für sich selbst wissen, dass Sie die Herausforderung gemeistert haben, reicht das nicht? Oder anders herum gefragt: Was würde das Lob der Chefin verändern in Ihrem Bewusstsein, dass Sie etwas gut gemacht haben? Prüfen Sie, wie gut gefüllt Ihr Fass „Selbstbewusstsein“ ist. Je mehr Sie selbst hinein geben, desto weniger abhängig sind Sie vom Lob anderer.

Und zum letzten Ansatz noch einmal die schwierige Reiseplanung: Wenn er oder sie nichts sagt, hat ja vielleicht wirklich alles geklappt. Wenn eine Übergangszeit zu knapp war oder ein Hotel nicht passend, würden Sie das erfahren – oder?

Zum Schluss noch die klare Aussage, dass es wirklich Chefs oder Chefinnen gibt, die nicht loben und damit das Klima mit der Assistentin belasten. Doch die Frage, wie die Assistentin damit umgeht (siehe die verschiedenen Ansätze) liegt in den Möglichkeiten der Assistentin!

Ich wünsche ein schönes Wochenende! Vielleicht starten Sie mit einem Eigenlob hinein?

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