Was, wenn der Chef recht haben will – immer?

Manche Assistentinnen haben es nicht leicht. Chefentlastung ist schon an sich eine anspruchsvolle Aufgabe. Schwierig wird es für die eine oder andere Assistentin, wenn der Chef oder die Chefin eine feste Meinung hat – und von dieser keinen Millimeter abrückt. Wenn es um Themen außerhalb des Offices geht, kann „frau“ die Chef-Meinung einfach stehen lassen. Bald hat die Mitarbeiterin verstanden, dass Diskussionen oder ein Meinungsaustausch nicht wirklich hilft und ein Hören einfach reicht.

Wenn es aber um Themen der Zusammenarbeit geht, hilft dieses „An-sich-Vorbei-Ziehen-lassen“ nicht. In einem Workshop ist mir dieses Fallbeispiel begegnet: Nach einem Update des Handys meinte der Chef zur Assistentin, sie solle doch beim Hersteller anrufen und mitteilen, dass er mit dem Update nicht zufrieden sei. Die Firma solle doch dieses und jenes wieder in der alten Fassung zur Verfügung stellen. Was hätten Sie getan? Diskutiert? Die Delegation abgelehnt? Die Assistentin tat folgendes: Sie ging nach dem Jourfixe in ihr Büro, tat so als ob sie mit dem Hersteller telefonierte. Dann ging sie zum Chef und teilte ihm mit, dass der Hersteller das Update leider nicht mehr zurücknehmen könne. Der Chef war’s zufrieden und das Thema vom Tisch!

Ich höre die eine oder andere von Ihnen, liebe Leser, schon sagen: Das ist doch gelogen! Das ist nicht richtig! Ja, es hat kein Anruf stattgefunden. Doch uns Nicht-Chefs ist auch ohne Anruf klar, dass ein Update nicht an unsere persönlichen Wünsche angepasst wird. Die Assistentin hat für diese Erkenntnis des Chefs den passenden Rahmen geschaffen.

Auf der Meta-Ebene ist das ein guter Weg: In welchen Rahmen müsste die Chef-Erkenntnis entstehen?

Das wird sicher nicht immer gehen – manchmal ist es zu anstrengend oder der Rahmen kann durch die Assistentin nicht geschaffen werden. Wo können Sie mit Gelassenheit etwas aus sitzen? Wo ist manchmal der kürzeste Weg zu nicken? Wo können Sie Regeln oder Richtlinien zitieren, die Ihr Chef zu berücksichtigen hat?

Ein wesentlicher Aspekt ist zu prüfen, was Ihnen an diesem Job mit diesem Chef Spaß macht. Wenn wir einen Anteil als unveränderlich und nicht stimmig mit unseren Vorstellungen erleben, überschattet dieser stimmigere Anteile. Stellen Sie den Anteilen, die für Sie positiv sind, den eher negativen Anteilen gegenüber. Welche Seite überwiegt? Wenn die positive Seite überwiegt, ist der „Rechthaben-wollen-Anteil“ Ihres Chefs nur „ein“ Bestandteil. Machen Sie sich dieses bewusst.

Wenn Sie erkennen, dass die negative Seite überwiegt, dann entscheiden Sie, wie lange Sie an diesem Platz noch arbeiten wollen.

Ein letzter Ansatz: Bleiben Sie gelassen, wenn Ihr Chef unrecht hat – es hilft nicht wirklich, triumphierend selbst recht haben zu wollen!

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