Salamitaktik in unruhigen Zeiten

Kennen Sie das? Das Telefon klingelt am laufenden Band, Kollegen stehen am Schreibtisch, der Chef ruft an. Und zwischendurch poppen Mails auf. Das ist teilweise der „lebendige“ Alltag in Sekretariaten. Wie können Sie in diesem wilden Fahrwasser navigieren oder einfach nur ohne zu große Blessuren überleben? Hier kann die Salamitaktik helfen.

Vielleicht haben Sie in der letzten Zeit beim Arzt, an der Hotelrezeption oder an einem Schalter angestanden? Dann haben Sie vielleicht erlebt, dass der Mitarbeitende Sie einen kleinen Moment warten ließ, bevor Sie „dran“ kamen. Das ist die Salamitaktik, die ich meine.

Der Mitarbeitende hat sich die Zeit genommen, den einen Vorgang zu beenden, bevor sie sich Ihnen gewidmet hat. Wie haben Sie sich während der kurzen Weile gefühlt? Meist ist es für uns in Ordnung, zumal wir sehen können, dass der Mitarbeitende den vorigen Vorgang zu Ende bringt.

Jeder Vorgang hat „Sollbruchstellen“. An diesen Punkten kann der Vorgang unterbrochen werden, ohne dass Doppel-Arbeiten nötig sind. Wenn Sie diese erreichen, kann, wenn nötig, später genau dort weitergearbeitet werden. Wenn Sie diesen Punkt nicht erreichen, müssen Sie ein gutes Stück „zurück“ und wiederholen was zwischen der vorherigen Sollbruchstelle liegt und dem Punkt, an dem Sie unterbrochen wurden oder abgebrochen haben.

Das klingt vielleicht sehr theoretisch, daher hier einige Beispiele:

  1. Im Telefonat versprechen Sie, ein Mail mit einer Adresse (oder einer anderen Information) zu senden. Wenn Sie mit einem Headset arbeiten, können Sie während des Telefonats das Mail beginnen und am Ende des Telefonats oder gleich danach das Mail fertigstellen und versenden.
  2. Ein Kollege steht vor Ihnen und möchte eine Unterlage haben. Sie bitten ihn kurz zu warten und geben ihm die Unterlage gleich mit.
  3. Ihr Chef ruft von unterwegs an und braucht die Daten einer Besprechung, die noch in Planung ist. Während des Telefonats stellen Sie die Daten zusammen und senden ihm diese gleich.

Vielleicht denken Sie: „Das tue ich schon.“ Gut so! Dann prüfen Sie, ob Sie wirklich während des Beendens der Aufgabe nicht das nächste Telefonat annehmen oder den nächsten Kollegen fragen, was er möchte. Betreiben Sie Single-Tasking und widmen Sie sich nur dieser einen Aufgabe. Dann ist das neue Telefonat oder der nächste Kollege dran. Meist handelt es sich um 20 Sekunden oder eine halbe Minute und das ist eine zumutbare Zeit für den nächsten Anrufer oder den nächsten Kollegen. Probieren Sie es aus oder optimieren Sie, was Sie bisher schon tun.

Falls Sie sich fragen, was das alles mit einer Salami zu tun hat, kommt hier die Erklärung: Eine große Salami essen wir nicht am Stück, sondern scheibenweise – eine nach der anderen.

Viel Erfolg!

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Assistenz der Zukunft – was braucht die Assistentin?

In meinen Seminaren oder Coachings mit Assistentinnen begegnet mir diese Frage öfter, daher will ich mich in diesem Beitrag an einer Antwort versuchen. 

Als erstes ist mir wichtig, dass momentan gar nicht klar ist, wie die Zukunft aussehen wird. Zu viele unterschiedliche Faktoren wirken auf dieses Berufsfeld, als dass extrapoliert werden kann, wie dieser Job in drei oder fünf Jahren aussehen wird. 

Trotzdem ist es möglich, heute zu sagen, welche Haltung bzw. welche Ansätze auf dem Weg in die Zukunft hilfreich sind: 

  • Chefentlastung reduziert und erweitert um die digitalen Möglichkeiten 
  • Einen Fuß in anderen Arbeitsfeldern außerhalb der Assistenz 
  • Kommunikativ in der Chef- und Assistenz-Welt unterwegs 
  • Netzwerken inner- und außerhalb des Unternehmens, auch außerhalb des Assistenzfeldes 
  • Technisch affin 
  • Stressresistent 

Chefentlastung 

Je nach dem, in welcher Branche, in welchem Unternehmensbereich und für welchen Vorgesetzten Sie arbeiten, ist die Digitalisierung schon mehr oder weniger bei Ihnen angekommen. Digitalisierung ist in einem ersten Schritt sicher so wenig Papier wie möglich. Digitalisierung hört aber dort nicht auf. Der Einsatz von Sprachassistenz, das Nutzen von Algorithmen und Workflows sind nächste Schritte. Wo die Reise hier genau hingeht, ist für mich zur Zeitnicht klar. 

Einen Fuß in anderen Arbeitsfeldern 

Eines ist heute klar, die Digitalisierung wird einige (oder viele?) Aufgaben der Assistentin durch „Maschinen“ ersetzen. Damit werden Kapazitäten frei. In einer Umbruchzeit ist es wichtig zu experimentieren. Das kann über eine Vertretung geschehen oder über die Mitarbeit in einem Projekt. Wichtig ist, nicht zu warten, bis Ihnen eine Gelegenheit angeboten wird, sondern selbst die Initiative zu ergreifen. Welche Themen in Ihrem Umfeld haben zur Zeitkeinen Verantwortlichen? Was dümpelt gerade herum? Prüfen Sie, wie viel Zeit Sie in diese Aufgaben stecken können – und fangen Sie an. 

Kommunikativ in der Chef- und Assistenzwelt unterwegs 

Dass Kommunikation wichtig ist, wissen Sie. Was ich meine, ist sichtbare Kommunikation. Das kann zum Beispiel heißen, dass Sie auf allen Ihren Dokumenten auch Ihren Namen hinterlassen, auch wenn die Dokumente von anderen präsentiert oder verteilt werden. Ein weiterer Schritt kann sein, dass alle Gesprächspartner Ihrer Chefin auch Ihren Namen kennen und nicht nur den Ihrer Chefin.Smalltalk mit Besuchern und Anrufern ist ebenfalls ein guter Weg für mehr Sichtbarkeit. Bereiten Sie sich auf Besucher vor. Aus welcher Branche kommt er oder sie? Was ist gerade die größte Herausforderung dieser Branche oder des Unternehmens?Wie gefällt Ihnen die Webseite des Unternehmens? Kommen Sie darüber ins Gespräch und hinterlassen Sie einen Eindruck. Ein weiterer Ansatz ist, mit eigenen Tagesordnungspunkten in Meetings vertreten zu sein. Wenn andere über die Aktivitäten seit der letzten Sitzung berichten, berichten Sie auch. Wenn es ein größeres Thema gibt (z. B. ein Event oder ein wichtiger Projektabschnitt), dann informieren Sie darüber in einem eigenen Tagesordnungspunkt.  

Netzwerken inner- und außerhalb des Unternehmens 

Gehen Sie regelmäßig mit anderen Assistentinnen in einen Austausch, z. B. als Bürorunde. Dann haben Sie schon einen ersten guten Schritt getan. Es gibt einige Berufsverbände für Office-Mitarbeitende, die ein Netzwerken außerhalb des Unternehmens ermöglichen (z. B. bsb, AIM, IAM). Wenn es ein Weiterbildungsbudget gibt, ist der Besuch eines Seminars oder eines Kongresses eine gute Möglichkeit, das eigene Netzwerk zu erweitern. Das wären Ansätze für das Feld Assistenz. Außerhalb Ihres Berufsfeldes sind Messen in Ihrer Branche eine gute Gelegenheit zum Netzwerken. Kennen Sie schon „Meetup“? Das ist ein Netzwerk mit regionalen Veranstaltungen (meist kostenlos) zu vielen unterschiedlichen Themen. Schauen Sie doch einfach, was es in Ihrer Gegend gibt. So können Sie z. B. in agile Methoden hineinschnuppern oder andere neue Gebiete ausprobieren. 

Technisch affin 

Eines ist völlig klar: Die Zukunft in der Assistenz ist digital! Es ist also wichtig, dran zu bleiben und immer wieder neue Technik auszuprobieren. Loslassen müssen wir die Idee, eine Software oder ein Gerät in alle Tiefen zu verstehen, bevor wir damit umgehen. Da sind uns die Generation Y und Z ein bisschen voraus. Hier zählt das Ausprobieren und „iteratives“ Herangehen viel mehr als Kompetenz in die Tiefe. Welche Programme gibt es in Ihrem Unternehmen, die Sie noch nicht nutzen? Welche Apps gibt es, die für Sie und / oder Ihren Chef nützlich sein könnten? Welche „Tools“ sind gerade „in“, mit denen Sie noch keine Erfahrungen gesammelt haben? Was nutzen Sie vielleicht im privaten Alltag, was für Ihren Arbeitsplatz interessant sein könnte? Gute Quellen können hier Newsletter im Assistenzbereich, aber auch von IT-Firmensein. Wer zu Hause einen Sprachassistenten hat (z. B. Alexa), kann sich diese Informationen über Skills zugänglich machen. 

Stressresistent 

Unsere Psyche und unser Körper sind für die hohen Veränderungsgeschwindigkeiten eher nicht gemacht. Wir brauchen stabile Bereiche und Zeiten, um aufzutanken. Die Geschwindigkeit können wir nicht verändern – aber wir können für uns sorgen. Welche Ansätze aus dem Bereich Stressbewältigungs- oder Entspannungsmethoden können Sie schon? Oder was haben Sie früher einmal gelernt? Reaktivieren Sie dieses Wissen und bringen Sie es in Ihren Alltag. Für viele gehört regelmäßig Bewegung oder Sport zur Stressbewältigung dazu. Achtsamkeit ist ebenfalls ein guter Methoden-Pool, um sich der eigenen Gefühle und Stimmungen bewusst zu werden. Wenn all diese Ansätze für Sie eher fremd sind, ist es ein guter Zeitpunkt auszuprobieren, was zu Ihnen passt. 

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Gestalten der nächsten Jahre. Am besten fangen Sie mit einer Sache gleich heute an. 

Sind Alexa und Co. ein Job-Killer?

Unkenrufe ziehen durch das Land: Kl (künstliche Intelligenz) und Algorithmen ersetzen die Assistenz. Auf der einen Seite stimmt das. Sprachassistenten und damit verknüpfte Algorithmen oder elektronische Workflows werden einige Aufgaben im Sekretariat ausführen können. In der aktuellen Berichterstattung finden sich immer mehr Beiträge, was Computer oder Roboter leisten können. Zur Zeit existiert ein Werbevideo zu Alexa for Business in den USA, das die momentanen Möglichkeiten aufzeigt (https://www.youtube.com/user/AmazonWebServices):

  • Sitzungsräume buchen und verwalten
  • Präsentationen starten
  • Termine vereinbaren, eintragen, daran erinnern
  • Auskünfte z. B zu „Wer sitzt in welchem Raum?“ geben
  • Büromaterial bestellen
  • Drucker verwalten
  • Druckaufträge ausführen oder umleiten

Das hört sein vielleicht nach Entlastung an. Das ist es bestimmt auch. Wenn Aufgaben wegfallen durch Alexa und Co. – wo kommen neue her? Und wer wird Ihnen diese neuen Aufgaben zuweisen? Was weiß Ihr Umfeld über Ihre Aufgaben? Welche Sichtbarkeit hat Ihre To-do-Liste? Wie kommen Sie zu neuen Zuständigkeiten: proaktiv oder weil andere auf Sie zukommen?

Für diese Veränderung braucht auf der einen Seite eine Offenheit für die neuen Möglichkeiten. So können Sie abschätzen, was die Einflüsse auf Ihren Arbeitsplatz sein werden. Auf der anderen Seite braucht es eine andere Positionierung und Vermarktung: Was ist Ihr menschlicher Mehrwert? Was ist wahrscheinlich „substituierbar“ – also durch Roboter, KI, Algorithmen ersetzbar? Dabei ist auch die neueste Robotergeneration bzw. der nächste Entwicklungsschritt zu berücksichtigen.

Aus heutiger Sicht sind Bestandteile des menschlichen Mehrwerts:

  • Verschwiegenheit
  • Loyalität
  • Flexibilität ohne Vorhersagbarkeit
  • menschliche Ratgeberfunktion, die ahnt, wann zuhören und wann Rat gefragt ist.

Was sind an Ihrem Arbeitsplatz weitere Aspekte des menschlichen Mehrwerts? Bedenken Sie dabei, was Alexa und Co. heute schon können.

Es finden sich aber auch Berichte, wo heute noch die Grenzen sind. Haben Sie über das Roboter-Hotel in Japan gelesen (https://www.youtube.com/watch?v=C6bQHUlq664&index=9&list=PLpgCJq8yHnPpII0DmYeshGRgIUj_ajiVo&t=0s)? Der Manager hat für die Rezeption, den Koffertransport und die Concierge-Funktion Roboter eingesetzt. In der Presse war das Hotel im Januar 2019, weil etwa die Hälfte der Roboter durch Menschen ersetzt wurde. Der Concierge-Roboter weckte laute Schnarcher mit der Frage „Das habe ich nicht verstanden, können Sie das bitte wiederholen?“ Die Rezeptionsroboter konnten nicht auf alle Fragen der Hotelgäste reagieren. Der Koffertransportroboter brauchte idealen Untergrund. Wichtig war für mich die Aussage, dass mit den derzeitigen Möglichkeiten die Ziele nicht zu erreichen sind. Für mich heißt das, dass die Hotelleitung leistungsfähigere Roboter mit diesen Arbeiten betrauen wird, sobald eine neue Generation verfügbar ist.

Also: ran an den Speck und raus in die‘ Bütt! Treten Sie mit Ihrem neuen sichtbaren Mehrwert auf, vermarkten Sie sich und bleiben (oder werden) Sie technisch affin.

Die Not-to-do-Liste (geliehen aus den Känguru-Chroniken)

Das Sekretariat ist ein Dienstleistungs-Arbeitsplatz. Damit ist bereits viel klar bzw. eigentlich unklar: Die Zuständigkeiten sind nicht eindeutig zu regeln. Zu Dienstleistung gehört, dass es viele Kollegen gibt, die mehr oder anderes von Ihnen erwarten oder die einfach Arbeit an Sie „abschieben“. Stellenbeschreibungen regeln meist nur grob die Zuständigkeiten, falls Sie überhaupt eine Stellenbeschreibung oder -profil haben. Eine Teilnehmerin aus einem mittelständischen Unternehmen brachte das in einem Seminar auf den Punkt: Vom Weihnachtsbaum bis zum Toilettenpapier – das ist meine Zuständigkeit.

Diese eigentliche „Nicht“-Definition von Zuständigkeit macht das planvolle Arbeiten schwer und manchmal auch unmöglich. Natürlich geht es im Sekretariat um Service und Dienstleistung für andere – allen voran für Ihren Vorgesetzten. Doch manch gutes Ding will Weile haben und ist eben nicht mal schnell nebenbei erledigt. Daher braucht es auch im Sekretariat einen Platz für die eigene To-do-Liste und Raum für geplantes Arbeiten.

Ein Rezept dafür ist die Not-To-do-Liste. Bitte nicht lachen – das meine ich ernst! Die Not-to-do-Liste ist eine Übersicht der Aufgaben und Zuständigkeiten, die nicht Ihre sind.

So kommen Sie zur Not-To-do-Liste

In den meisten Fällen reicht es, wenn Sie für diese Liste in der Analysephase die Erledigungen für die Kollegen und Kolleginnen sammeln. Für Vorgesetzte ist selten Spielraum für „Mach es am Besten selbst“ oder „das mache ich nicht“. Notieren Sie über mehre Wochen in einer Datei oder auf Papier

  • Was Sie ungern für KollegInnen tun
  • Was Ihnen auf die Nerven geht
  • Wofür eigentlich andere zuständig sind
  • Was die Kollegen eigentlich selbst tun sollten

Ich bin ganz sicher, dass diese Liste bald viele Punkte haben wird. Wichtig ist, dass die Datei / das Papier schnell greifbar ist, so dass Sie sofort nach einer solchen Arbeit diese in der Liste notieren können. Nach einigen Wochen nehmen Sie sich Zeit und bearbeiten die Liste. Streichen Sie, was mehrfach aufgeführt ist. Danach clustern Sie:

  • Wofür sind andere zuständig?
  • Was machen einige Kollegen selbst und andere nicht?
  • Was ist aufwändiger oder komplizierter, wenn Sie es machen?

Im nächsten Schnitt klären Sie mit sich selbst, was Sie in Zukunft erledigen wollen und was Sie nur noch tun, wenn Sie freie Kapazitäten haben.

Für alles, wofür eigentlich andere zuständig sind, brauchen Sie kein OK Ihres Chefs, um dies nicht mehr zu tun. Sie brauchen nur mehr Konsequenz. Starten Sie mit einem ersten Nein und dem Verweis auf die richtige Zuständigkeit. Vielleicht fällt es Ihnen leichter, konsequenter zu sein, wenn Sie gut drauf sind. Vielleicht fällt das erste Nein bei einem Kollegen leichter, der Ihnen sympathisch ist – oder gerade nicht sympathisch ist. Das Wichtige ist anzufangen!

Alles, was aus Ihrer Sicht nicht mehr bei Ihnen landen sollte, aber bisher ohne Absprachen war, braucht eine Entscheidung des Chefs. Diese bereiten Sie vor. Mit Ihrer Analyse zur Not-To-do-Liste haben Sie bereits eine gute Grundlage über das „Wie häufig“ und „Für wen“. Versuchen Sie den Zeitbedarf für diese Aufgaben zu schätzen und auf einen Tag oder eine Woche zu berechnen. Diese Summe kann überraschend sein. Wenn Sie diese Zahl haben, überlegen Sie, was Sie in dieser Zeit für Ihren Vorgesetzten erledigen könnten – das ist der „Köder“ oder das „Leckerli“ für den Vorgesetzten. Vielleicht finden Sie noch Argumente, warum der Prozess effizienter ist, wenn Sie sich nicht mehr darum kümmern. Wenn Ihr Chef Ihren Argumenten folgt, vereinbaren Sie, wie die Mitarbeitenden davon erfahren. Vielleicht bringen Sie den Punkt in das Teammeeting ein. Oder Ihr Vorgesetzter informiert per Mail. Danach brauchen Sie „nur“ wieder Konsequenz, damit die Mitarbeitenden merken, dass Sie diese Aufgabe(n) wirklich nicht mehr machen.

Mit dieser Vorgehensweise kommen Sie zu mehr Freiraum für Ihre eigentlichen Aufgaben und haben mehr Zeit für Chefentlastung. Vielleicht berichten Sie hier über Ihre Erfahrungen. Viel Erfolg!

Assistenzen machen Chefs erfolgreicher!

Kennen Sie die Marshmallow-Challenge? Ein Team von vier Personen erhält 20 Spaghettis, Kreppband, Schnur und einen Marshmallow. In 18 Minuten gilt es, im Wettbewerb mit anderen Teams den höchsten freistehenden „Turm“ zu bauen. Auf der Spitze des Turms ist der Marshmallow zu platzieren. Dieser Wettbewerb findet weltweit statt – mit erstaunlichen Ergebnissen. Am erfolgreichsten (außer Statikern) sind Kindergartenkinder. Sie planen wenig, sondern probieren „iterativ“ immer wieder aus, was geht und was nicht.  Über die Prototypen sammeln sie Erfahrungen. Die Teams mit Erwachsenen orientieren sich, planen und bauen oft in den letzten Minuten einen Turm.

Spannend ist das Ergebnis, wenn es um CEOs geht. CEOs alleine liegen unter den Höhen der Kindergartenkinder. Sind im Team Executive Admins dabei, steigert sich die Höhe erheblich. Das Ergebnis ist besser als das der Kindergartenkinder! Zurückgeführt wird das von Tom Wujec auf die „facilitating skills“ der Executive Admins. Sie würden den Prozess managen. Nach seiner Erkenntnis ist die Grundlage für Erfolg die Kombination von Expertise (das bringt ein CEO ein) und von „facilitating skills“ (das bringt die Assistenz ein).

Unter https://www.youtube.com/watch?v=H0_yKBitO8M&list=PLpgCJq8yHnPpII0DmYeshGRgIUj_ajiVo&index=13&t=0s ist sein TED-Beitrag dazu zu sehen.

Was heißt das für Ihre Praxis? Seien Sie sich Ihres Wertes bewusst und bringen Sie sich aktiv in Prozese ein. „Verkaufen“ Sie Ihr Tun – vielleicht mit dem TED-Beitrag von Tom Wujec?

Quo vadis Assistenz?

Seit 2016 beschäftige ich mich mit der Frage, was die Assistentin in der Zukunft noch tun wird. Es geht dabei nicht um „Morgen“ sondern um „Übermorgen“. Einflussfaktoren für die Zukunft des Assistenz-Feldes sind u. a. die Sprachassistenten und Algorithmen bzw.  künstliche Intelligenzen. Was wird Assistenz 4.0 ausmachen?

Sprachassistenten wie z. B. Alexa greifen schon heute auf Informationen zu und geben diese weiter. Sie recherchieren im Internet, sind mit anderen Anwendungen verknüpft und übernehmen schon heute Aufgaben-, Termin- und Informationsmanagement. Eine Office-Variante von Alexa ist am Entstehen. Von einer Trainer-Kollegin höre ich, dass sie bereits erste digitale Sprachassistenten in Büros entdeckt hat. Mit dem Inkraft-Treten der europäischen Datenschutzgrundverordnung wird das sicher noch zu prüfen sein. Doch es ist heute schon absehbar, dass Routineaufgaben und reine „Informationsflüsse“ in Zukunft nicht mehr von Menschen erledigt werden.

Was sind wahrscheinlich „Jobs“ der Assistenz in der Zukunft?

Die Zukunft ist heute noch nicht da, aber der Weg dahin startet jetzt. Daher ist es wichtig, sich bald zu entscheiden, welchen Weg Sie einschlagen wollen. Ich gehe von diesen Alternativen für Assistenz 4.0 aus:

  • Assistenz auf der Ebene Vorstand und evtl. darunter: Hier wird es viel mehr als heute auch um inhaltliche Zuarbeit gehen. Daher finden noch mehr als bisher AkademikerInnen hier Platz. Hier steht der Mensch (Vorstand) so sehr im Mittelpunkt des Arbeitens, dass Alexa & Co. dies nicht vollständig leisten können. Eine Qualifikation für diesen Weg gibt es noch nicht.
  • „Service-Center“ für das mittlere Management: Für diese Ebene wird es keine persönliche Zuarbeit mehr geben. Routinen und Standards werden durch Algorithmen und Sprachassistenz geleistet. Das mittlere Managment wird auch aus dem privaten Bereich mit dieser Technik vertraut sein. „Trotzdem“ wird es komplexe Themen geben, die einen Menschen brauchen. Das ist dann der Bereich von Assistentinnen, die in zwei oder drei Feldern eine Expertise haben.  Sie arbeiten gemeinsam mit KollegInnen mit ähnlichen und anderen Gebieten. Welche Felder für diese Service-Center in Frage kommen, ist noch nicht absehbar. Es ist eine Gestaltungsaufgabe von Assistenz, Vorgesetzten und Personalbereich herauszufinden, was der Mensch besser kann als die Technik. Daher gibt es auch hier noch keine absehbaren Qualifizierungswege.
  • Es wird einen Bereich von „Prozesskompetenz“ geben. Wahrscheinlich werden auch in Zukunft die Unternehmen und Organisationen mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sein. Prozesse und Abläufe müssen daher immer wieder in Frage gestellt und angepasst werden. Aus heutiger Sicht sind die Werkzeuge für diese Prozesskompetenz z. B. agiles Projektmanagement, Six Sigma oder Ansätze aus dem LEAN-Bereich. Damit gibt es aus dem heutigen Blick Qualifizierungsmöglichkeiten – ohne Garantie, dass dies auch die Werkzeuge der Zukunft sind.
  • Als letzte Alternative wird es sicher noch mehr als heute „Freelancer“ geben. Vor allem im Bereich „Service-Center“ könnte die Assistenz mit einem eigenen Unternehmen Dienstleistungen an Unternehmen anbieten, die keine eigenen „Service-Center“ haben. Statt Qualifizierungswegen braucht es hier Mut, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Und jetzt?

Wie geht es Ihnen, wenn Sie das lesen? Haben Sie Lust und freuen Sie diese Zukunftsperspektiven oder ängstigen Sie diese Alternativen? Wichtig ist, dass Sie anfangen, Verantwortung für Ihre berufliche Zukunft zu übernehmen – und z. B. entscheiden, welcher Weg für Sie attraktiver ist.

Das Wort zum Schluss

Ganz am Ende noch einen Kommentar zu meiner „Kristallkugel“: Ob diese Alternativen tatsächlich Zukunft werden, weiß ich nicht. Bisher hat der Beruf Assistenz jede technische Entwicklung „überlebt“ und sich neu justiert. Das wird auch dieses Mal so sein. Aus meiner Sicht sind die Zeiten zum Justieren und Gestalten dieses Mal wohl kürzer und der „Impact“ der Technik ist größer. Also: Was ist Ihr nächster Schritt zum Gestalten Ihrer beruflichen Zukunft?

Change it, love it or leave it mit Sisyphos

Wer kennt das nicht: Da ist frau unzufrieden mit einem Ablauf, Prozess, einer Situation, mit sich selbst oder anderen und versucht mit viel gutem Willen, das zu ändern.  Der Erfolg will sich nicht so richtig einstellen, Frust entsteht. Von anderen ist dann schnell gesagt „Change it, love it or leave it“ (verändere, was du verändern kannst – akzeptiere, was du nicht verändern kannst – lasse / verlasse, was du nicht akzeptieren kannst). Diese alte Weisheit hört sich einfach an. Doch was meint das genau?

Um eine Idee zu bekommen, was diese alte Lebensweisheit meint, packen wir doch einfach Sisyphos in diese Weisheit hinein. Sisphos ist der mit dem Stein, der ihn immer wieder hinaufrollt, weil der Stein immer wieder hinunter rollt. Wie können wir nun Sisyphos mit Change it, love it or leave it verknüpfen?

Change it bedeutet, dass Sisyphos mit vielen Ideen zur Optimierung des Prozesses den Stein immer wieder hinaufrollt. Der Stein rollt wieder hinab und Sisyphos versucht es ein weiteres Mal. Diese Optimierung geht Sisyphos mit Gleichmut und Gelassenheit an. Er hat Ideen, wie er den Stein besser rollen und oben platzieren kann. Beim Hinuntergehen überlegt er, wie er beim nächsten Mal den Stein auf eine andere Art und Weise nach oben rollen kann und so platziert, dass der Stein liegen bleibt. Ausschlaggebend für Change it ist, dass Sisyphos die Optimierung mit gutem Gefühl und „Hoffnung“ auf Erfolg angeht.

Sobald sich das Gefühl verändert, Ärger, Frust, Enttäuschung oder auch Wut auftaucht, ist es Zeit, zu Love it zu wechseln. Für unseren Sisyphos bedeutet das, dass er alle Optimierungsversuche aufgibt. Er hat verstanden, dass es keine Möglichkeit gibt, dass der Stein oben liegen bleibt. Trotzdem ist es seine Aufgabe, den Stein immer wieder nach oben zu rollen. Und das tut Sisyphos mit Gleichmut. Er rollte den  Stein mit Gelassenheit nach oben und ist ganz in seinem Tun. Beim Weg nach unten ist er ohne Groll. Beim nächsten Rollen geht es genauso wieder mit Gelassenheit und Gleichmut nach oben. Es ist nicht relevant für ihn, dass er den Stein immer wieder nach oben rollt und dieser immer wieder nach unten rollt. Es ist seine Aufgbe, den Stein hinauf zu rollen, hinunterzulaufen und mit dem Stein wieder nach oben zu gehen. Diese Aufgabe erledigt Sisyphos und es geht im gut dabei.

Wenn Sisyphos nun Ärger, Wut oder Frust vespürt, ob der Tatsache, dass er den Stein nach oben rollt und dieser nicht liegen bleibt, ist es Zeit für „leave it“. Unser Sisyphos setzt sich neben den Stein. Er hat nicht „aufgegeben“, sondern lässt sein Ziel, dass der Stein liegen bleibt, los. Neben dem Stein ist er ganz „da“, tut aber nichts mehr. Es ist jetzt einfach so, dass er nichts mehr mit oder für den Stein tut.

Wenn Sisyphos sich langweilt, sich überflüssig fühlt oder ihm das Sitzen neben dem Stein einfach nicht mehr gefällt, kann er auch gehen. Das wäre dann Leave it als verlassen. Dann ist Sisyphos frei für Neues.

Wo sind Sie in Ihrem Arbeitsalltag am Jammern, sich beschweren oder unzufrieden? Was wäre der für Sie nächste Schritt? Sind Sie noch im Change it und es wäre Zeit für Love it? Oder sind Sie schon in Love it angekommen und es wäre Zeit für Leave it? Oder ist es Zeit zu gehen, weil alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind?

Sisyphos ist ein gutes Beispiel, wie wir mit mehr Gelassenheit Veränderung und Zufriedenheit erreichen können. Viel Erfolg dabei!