Navigatorin im Kollaborations-Dschungel

Sind Sie auch gerade überfordert von den vielfältigen Möglichkeiten, elektronisch unterwegs zu sein? Outlook oder Lotus Notes sind ja schon ein Klassiker. Dokumente elektronisch teilen zu können, gibt es auch schon eine Weile. Dass OneNote® so etwas wie ein „Hidden Champion“ und ein sehr vielfältiges Werkzeug ist, ist bei vielen Assistentinnen auch schon angekommen. Sharepoints sind in dieser Runde etwas neuer, werden aber oft als reine Ablageorte „missbraucht“. Neu in der Runde ist Skype, das bei einigen meiner Kunden das klassische Telefon ersetzt und Teams (in Office 365 verfügbar).

Ich bin nun keine IT-Expertin und kann daher nicht die Tiefe aller Programm ausloten. Doch ich sehe, dass es Unterstützung für KollegInnen braucht und oft auch einen Schubs in Richtung elektronische Zusammenarbeit. Je mehr flexibel gearbeitet wird, und vor allem auch mobil gearbeitet wird, desto wichtiger ist die elektronische Kollaboration.

In vielen Prozessen sind Sie die Initiatorin, machen den ersten Schritt oder legen den Rahmen fest. Damit liegt es in Ihrer „Macht“, welches der vorhandenen Tools genutzt wird. Nutzen Sie diesen Gestaltungsspielraum!

Dafür braucht es einen Leitfaden bzw. ein eigenes Verständnis, welcher Weg bzw. welches Tool wann sinnvoll ist. Ich stelle Ihnen hier meine Sichtweise vor:

Dokumente frei geben statt Dateien oder Links verschicken 

Die Office-Programme (Word®, Excel®, Powerpoint®) sehen vor, dass Dateien “freigegeben“ oder „geteilt“ werden können. Den Button dazu finden Sie meist ganz rechts oben. Die Datei muss in einer Cloud (z. B. OneDrive®) oder auf einem Laufwerkspfad liegen, der auch für andere erreichbar ist. Sie werden aufgefordert, eine Mail-Adresse einzugeben und können dann eine Nachricht eingeben. Der Empfänger erhält eine Mail in sein Outlook®-Postfach mit einem Link zur Datei. Dieser öffnet sich meist in der Web-Ansicht des Programms. Mit einem Klick sind die Anwender aber auch in der gewohnten Ansicht des Office-Programms.

Wenn wenig elektronisch gearbeitet wird, ist das ein guter erster Schritt. Es kann nämlich gleichzeitig im Dokument (wenn auch nicht an der gleichen Stelle) gearbeitet werden. Es ist sichtbar, wer welche Änderungen vorgenommen hat. Statt alle per Mail um die Zuarbeit zum Monatsbericht zu bitten, können Sie nun die vorbereitete, aber „inhaltsleere“ Datei an alle freigeben und müssen nichts mehr aus anderen Quellen übertragen.

Dieser Blogbeitrag entsteht übrigens über „freigeben“. Ich schreibe, meine Social-Media-Fachfrau redigiert und lädt den Artikel in den Hiddenteam-Blog hoch und verlinkt ihn in die Social-Media-Kanäle.

OneNote® 

Das ist ein Alleskönner von Microsoft®, auch wenn angekündigt wurde, vorerst keine Pflege mehr vorzunehmen. Hier ist bestimmt noch nicht aller Tage Abend. Mit diesem elektronischen Notizbuch können Sie sich ein eigenes Wissensmanagement aufbauen, mit dem Chef zusammen Ihre Rücksprachen vor- und nachbereiten, Unterlagen für Reisen oder Meetings zur Verfügung stellen. Tagesordnung, Protokolle und To-Do-Listen von Meetings führen und vieles mehr. Auf YouTube gibt es gute Tutorials – auch von Microsoft® selbst. Damit ein Notizbuch für andere verfügbar ist, muss es in einer Cloud liegen (z. B. OneDrive®) oder auf einem Laufwerk, das für alle Nutzer zugänglich ist. Wenn Sie das Notizbuch freigeben, entscheiden Sie, ob die Nutzer das Notizbuch nur „angezeigt“ bekommen oder auch „bearbeiten“ dürfen. Die Nutzer erhalten eine Mail mit dem Link zum Notizbuch und landen wahrscheinlich wieder in der Web-Ansicht.

Wenn Sie in kleinen Gruppen (bis ca. 8 Personen oder wenn, alle diszipliniert sind, auch mehr) Themen oder kleinere Projekte bearbeiten, geht das mit OneNote® gut. Wenn Sie ein Wissensmanagement für Ihr Umfeld aufgebaut haben, kann die Personengruppe auch viel größer sein – denn dann dürfen die Nutzer nicht bearbeiten.

Sharepoint® 

Diese Anwendung ist ziemlich komplex und braucht einiges an Know-how, um einen einzelnen Sharepoint® aufzubauen bzw. zu administrieren. Das ist auch mit einigen Tutorials oder Webinaren nicht zu leisten. Hier sind Seminare eine gute Möglichkeit, sich als Site-Collection-Owner fit zu machen. Je nach dem, ob das Ihre IT leistet, kann das Administrieren von Sharepoints ein gutes Standbein für Ihre Zukunft in der Assistenz sein.

Ein Sharepoint® ist ein Platz für Zusammenarbeit. Hier können Dokumente nach festzulegenden Rechten hochgeladen und bearbeitet werden. Es gibt ein gemeinsames Termin- und Aufgabenmanagement – meines Wissens sind die Termine und Aufgaben in das eigene Outlook® integrierbar. Es kann gechattet werden oder auch Links hinterlegt werden. Im Gegensatz zu OneNote® gibt es eine Benachrichtigungsmöglichkeit, wenn etwas im Sharepoint® geschehen ist. Bei einigen meiner Kunden können auch Externe auf dem Sharepoint® arbeiten – mit OneNote® ist das meist nicht möglich. Jeder Sharepoint® hat ein eigenes OneNote®-Notizbuch, so dass dieses Wissen auch hier nützlich ist.

Sharepoints® lohnen sich daher für längere oder komplexere Projekte oder für die elektronische Zusammenarbeit von Abteilungen. Es braucht aber einen guten Administrator und eine Einführung für die Nutzer.

Teams 

Das ist der Youngster für die Youngster. Für die Generation Y oder Z ist Outlook® meist dröge und wenig emotional. Das macht Teams anders. Teams ist eine „App“ bzw. Software in Office 365®. Hier können Gruppen (Teams) gebildet werden. In diesen Gruppen sind dann „Kanäle“ zu unterschiedlichen Themen möglich. Der Clou von Teams sind die verschiedenen Formen von Nachrichten. Der klassische Text kann durch Emojis, Gifs oder Bilder, deren Text individualisiert werden kann, ergänzt werden. Das kennen die Youngster aus den Social-Media-Kanälen und vermissen es in Outlook®.

Darüber hinaus ist auch Teams ein Alleskönner. Hier können Besprechungen geplant werden und Dokumente verwaltet werden. Darüber hinaus lassen sich weitere Anwendungen (aus den Office-Programmen, aber auch aus der großen, weiten App-Welt) verknüpfen und in Teams integrieren.

Teams ist also für die Zusammenarbeit in jungen oder generationenübergreifenden Teams geeignet. Die Bedienung ist wesentlich einfacher als das Arbeiten auf einem Sharepoint®.

Skype® 

Bei etlichen meiner Kunden ersetzt Skype® schon das Telefon. Mit Skype® kann ein Audio- oder Video-Telefonat durchgeführt werden. Der Bildschirm kann geteilt werden, Chats sind ebenfalls möglich.

Wenn mit Teams gearbeitet wird, kann Skype auf das Telefonieren begrenzt werden. Wenn nicht, ist Skype eine gute Möglichkeit für das gemeinsame Arbeiten an Dateien während eines Telefonats.

Und nun? 

Gleichen Sie „meinen“ Leitfaden mit den Möglichkeiten in Ihrer Organisation und Ihren Erfahrungen ab. Wenn Sie sich unsicher sind, experimentieren Sie mit Kolleginnen, bevor Sie in Richtung ChefIn und KollegInnen aktiv werden. Viel Erfolg bei Ihrer neuen Rolle „Navigatorin im Kollaborations-Dschungel“!

Die Not-to-do-Liste (geliehen aus den Känguru-Chroniken)

Das Sekretariat ist ein Dienstleistungs-Arbeitsplatz. Damit ist bereits viel klar bzw. eigentlich unklar: Die Zuständigkeiten sind nicht eindeutig zu regeln. Zu Dienstleistung gehört, dass es viele Kollegen gibt, die mehr oder anderes von Ihnen erwarten oder die einfach Arbeit an Sie „abschieben“. Stellenbeschreibungen regeln meist nur grob die Zuständigkeiten, falls Sie überhaupt eine Stellenbeschreibung oder -profil haben. Eine Teilnehmerin aus einem mittelständischen Unternehmen brachte das in einem Seminar auf den Punkt: Vom Weihnachtsbaum bis zum Toilettenpapier – das ist meine Zuständigkeit.

Diese eigentliche „Nicht“-Definition von Zuständigkeit macht das planvolle Arbeiten schwer und manchmal auch unmöglich. Natürlich geht es im Sekretariat um Service und Dienstleistung für andere – allen voran für Ihren Vorgesetzten. Doch manch gutes Ding will Weile haben und ist eben nicht mal schnell nebenbei erledigt. Daher braucht es auch im Sekretariat einen Platz für die eigene To-do-Liste und Raum für geplantes Arbeiten.

Ein Rezept dafür ist die Not-To-do-Liste. Bitte nicht lachen – das meine ich ernst! Die Not-to-do-Liste ist eine Übersicht der Aufgaben und Zuständigkeiten, die nicht Ihre sind.

So kommen Sie zur Not-To-do-Liste

In den meisten Fällen reicht es, wenn Sie für diese Liste in der Analysephase die Erledigungen für die Kollegen und Kolleginnen sammeln. Für Vorgesetzte ist selten Spielraum für „Mach es am Besten selbst“ oder „das mache ich nicht“. Notieren Sie über mehre Wochen in einer Datei oder auf Papier

  • Was Sie ungern für KollegInnen tun
  • Was Ihnen auf die Nerven geht
  • Wofür eigentlich andere zuständig sind
  • Was die Kollegen eigentlich selbst tun sollten

Ich bin ganz sicher, dass diese Liste bald viele Punkte haben wird. Wichtig ist, dass die Datei / das Papier schnell greifbar ist, so dass Sie sofort nach einer solchen Arbeit diese in der Liste notieren können. Nach einigen Wochen nehmen Sie sich Zeit und bearbeiten die Liste. Streichen Sie, was mehrfach aufgeführt ist. Danach clustern Sie:

  • Wofür sind andere zuständig?
  • Was machen einige Kollegen selbst und andere nicht?
  • Was ist aufwändiger oder komplizierter, wenn Sie es machen?

Im nächsten Schnitt klären Sie mit sich selbst, was Sie in Zukunft erledigen wollen und was Sie nur noch tun, wenn Sie freie Kapazitäten haben.

Für alles, wofür eigentlich andere zuständig sind, brauchen Sie kein OK Ihres Chefs, um dies nicht mehr zu tun. Sie brauchen nur mehr Konsequenz. Starten Sie mit einem ersten Nein und dem Verweis auf die richtige Zuständigkeit. Vielleicht fällt es Ihnen leichter, konsequenter zu sein, wenn Sie gut drauf sind. Vielleicht fällt das erste Nein bei einem Kollegen leichter, der Ihnen sympathisch ist – oder gerade nicht sympathisch ist. Das Wichtige ist anzufangen!

Alles, was aus Ihrer Sicht nicht mehr bei Ihnen landen sollte, aber bisher ohne Absprachen war, braucht eine Entscheidung des Chefs. Diese bereiten Sie vor. Mit Ihrer Analyse zur Not-To-do-Liste haben Sie bereits eine gute Grundlage über das „Wie häufig“ und „Für wen“. Versuchen Sie den Zeitbedarf für diese Aufgaben zu schätzen und auf einen Tag oder eine Woche zu berechnen. Diese Summe kann überraschend sein. Wenn Sie diese Zahl haben, überlegen Sie, was Sie in dieser Zeit für Ihren Vorgesetzten erledigen könnten – das ist der „Köder“ oder das „Leckerli“ für den Vorgesetzten. Vielleicht finden Sie noch Argumente, warum der Prozess effizienter ist, wenn Sie sich nicht mehr darum kümmern. Wenn Ihr Chef Ihren Argumenten folgt, vereinbaren Sie, wie die Mitarbeitenden davon erfahren. Vielleicht bringen Sie den Punkt in das Teammeeting ein. Oder Ihr Vorgesetzter informiert per Mail. Danach brauchen Sie „nur“ wieder Konsequenz, damit die Mitarbeitenden merken, dass Sie diese Aufgabe(n) wirklich nicht mehr machen.

Mit dieser Vorgehensweise kommen Sie zu mehr Freiraum für Ihre eigentlichen Aufgaben und haben mehr Zeit für Chefentlastung. Vielleicht berichten Sie hier über Ihre Erfahrungen. Viel Erfolg!

Sind virtuelle Chefs normal?

Der Deutsche Assistentinnen-Tag hat einige Eindrücke bei mir hinterlassen. Mir sind Assistentinnen begegnet, die ihre Chefs selten von Angesicht zu Angesicht sehen. Das Organisieren von virtuellen Chefs wird also immer normaler?

Wie oft sehen Sie Ihren Vorgesetzten? Damit meine ich, wie oft sprechen Sie miteinander? Wenn Sie mit Ihrer Antwort unzufrieden sind, beziehen Sie die Häufigkeit (oder eher die Seltenheit) nicht auf sich. Erfolgreiche Absprachen und eine gelungene Chefentlastung entstehen auch mit wenig „Kontakt“. Was es braucht, sind funktionierende Absprachen, damit Sie dies tun können:

  • Assistentin greift auf Chefin-Postfach mit allen verfügbaren Rechten zu
  • Mails werden von Assistentin bearbeitet und vorstrukturiert
  • Aufgaben aus Mails werden zu Aufgaben gemacht oder nachverfolgt
  • Mails werden „laufenden“ Themen z. B. durch Kategorien zugeordnet
  • Termine werden von Assistentin vereinbart, angenommen und koordiniert
  • Der Terminkalender enthält auch Wegezeiten, Zeiten für Arbeiten am Schreibtisch, Pufferzeiten
  • Kontakte sind eingepflegt, kategorisiert und z. B. für Mailings nutzbar
  • Die Assistentin weiß, was mit Smartphone und Tablet machbar ist
  • Es gibt ein gemeinsam genutztes elektronisches Dokumentenmanagement (z. B. Sharepoint oder OneDrive als Cloud).

Diese Felder könnten Sie dann für einen virtuellen Chef besetzen:

  • Mails nach klaren Vereinbarungen selbst bearbeiten, weiterleiten, löschen bzw. für Chef vorstrukturieren
  • Eigenständiges Terminmanagement ohne Mail-Müll beim Chef
  • Elektronisches Dokumentenmanagement für den Chef und die Abteilung
  • Elektronisches Aufgabenmanagement für den Chef inkl. „Controlling“
  • Elektronische Workflows genutzt und weitgehende Rechte für die Assistentin
  • Projektassistenz mit entsprechender Software
  • Eigenständige Recherchen für Chef-Themen
  • Gute Präsentationen erstellen oder aufbereiten
  • Zusammenstellen von Dateien / Dokumenten / Unterlagen für Termine

Eine Teilnehmerin aus Dresden sieht ihren Vorgesetzten drei oder vier Mal im Jahr und arbeitet im Homeoffice für ihn. Sie telefonieren täglich und ansonsten läuft vieles elektronisch. Das Board mit den Kollegen des Chefs ist in der weiten Welt verstreut – und die Zusammenarbeit klappt!

Also keine Angst vor virtuellen Chefs – oft sind diese leichter zu organisieren als die im Raum nebenan.

Lean im Office – geht das? Interview in management-radio

Weihnachten ist die Zeit von Besinnung – und der kleinen und großen Geschenke. Ich habe mir eines gemacht und Sie können teilhaben. Am 25. und 26. Februar wird es in Mannheim ein großes Event geben: Lean around the clock – und ich bin mit einem Vortrag dabei. Schon heute gibt es einen kleinen „Vor“-Blick auf diese Veranstaltung. Ralf Volkmer hat mich für management-radio interviewt. Als Nicht-Lean-Expertin betrachte ich das Thema Standardisierung zwischen Chef und Assistentin. Klassische Lean-Ansätze sind im Hiddenteam eher nicht zu finden, dafür funktionieren diese Konzepte auf der Meta-Ebene. Was ist Ihre Meinung? Das Interview finden Sie hier:

http://www.management-radio.de/lean-management-i-wie-organisieren-sich-hiddenteams/

Wenn ich Sie neugierig gemacht habe und Sie teilnehmen wollen, geben Sie mir einfach Bescheid – oder melden sich selbst an. Das ist der Link zur Veranstaltung:

http://www.leanaroundtheclock.de/das-event/

Arbeiten für die Kollegin?

Mit einer Kollegin gemeinsam zu arbeiten oder mit Kolleginnen in einer Abteilung aktiv zu sein ist für viele Sekretärinnen ein gutes Gefühl. „Frau“ kann sich vertreten oder in Spitzenzeiten helfen, ein Sparringspartner für kniffelige Fragen sein oder einfach nur ein netter Mensch am Arbeitsplatz.

Doch manchmal entwickelt sich die Zusammenarbeit in ungewünschte Richtungen. Es schleicht sich ein Gefühl von „ausgenutzt“ werden ein. Die Kollegin geht früher und man übernimmt ihre Aufgaben am späten Nachmittag. Oder sie fragt oft, ob man ihr helfen könne – öfter als man selbst die Frage stellt. Was tun?

Als erstes braucht es „Zahlen / Daten / Fakten“. Denn nicht immer entspricht das Gefühl der Realität. Schreiben Sie einfach auf, wann Sie für Ihre Kollegin eingesprungen sind – und wann Sie sich Unterstützung bei Ihr geholt haben. Manchmal wird allein über diese Analyse das Gefühl relativiert.

Aus dem Gefühl können nach der Analyse aber auch ZDF geworden sein. Dann prüfen Sie, ob Sie sich selbst um das Problem kümmern wollen. Wenn ja, dann legen Sie für sich fest, bei was und wann Sie Ihre Kollegin unterstützen wollen – das ist dann die Grenze. Wird diese Grenze überschritten, lehnen Sie den Unterstützungswunsch ab. Wichtig ist dabei, Floskeln wie „es tut mir leid“ wegzulassen. Auch eine Begründung braucht es nicht. Sie könnten zum Beispiel sagen „Nein, das geht heute nicht.“ Falls Ihre Kollegin nachfragt, nutzen Sie die Technik „Beharrlichkeitsschleife“. Wiederholen Sie Ihren Satz „Nein, das geht heute nicht.“. Fangen Sie nicht an zu argumentieren – denn es geht ja nicht um Sachargumente, sondern um ein Ungleichgewicht.

Wenn Sie Sorge haben, dass Ihre Kollegin wegen mangelnder Kollegialität beim Chef vorstellig wird, dann gehen Sie vorweg. Sprechen Sie das Thema proaktiv bei Ihrem Vorgesetzten an. Aber jammern Sie nicht, sondern berichten kurz und knapp vom Ungleichgewicht (unterstützt durch ZDF) und fragen Sie den Chef, wie Sie damit umgehen sollen.

Wenn Ihnen das zu mühsam ist, dann akzeptieren Sie das Ungleichgewicht. Das ist für die Arbeitszufriedenheit besser als sich im Alltag immer mal  wieder „aufzuregen“.

Eule und Lerche im Office?

In einem Coaching von Chef und Assistenz tauchte ein für mich spannendes Thema auf: Was ist, wenn der Chef eine Lerche ist und die Sekretärin eine Eule? Das bedeutet z. B., dass der Chef um 07:00 Uhr im Büro ist und die Assistentin ab 08:30 Uhr kommt. Die erste Arbeitszeit des Vorgesetzten ist also „ohne“. Ist das ein Thema?

Für den Vorgesetzten in diesem Coaching war es eines. Er findet zwar seine Mappe mit den Unterlagen für den Tag vor und kann in der sitzungsfreien Zeit zum Tagesstart Mails bearbeiten oder andere Schreibtischarbeit erledigen. Aber er kann nicht auf seine Assistentin zugreifen.

Die Assistentin „bekennt“ sich zur „Eule“ und wirft ein, dass sie nicht wirklich produktiv und gut ansprechbar wäre, wäre sie schon früher im Büro. Sie bleibe ja auch entsprechend „länger“.

Was heißt das für das Führungsverständnis des Vorgesetzten? Wird er „anordnen“, dass seine Assistentin früher beginnen soll? Gewichtet er die Betreuung am späteren Nachmittag bzw. frühen Abend unterschiedlich zur Betreuung am frühen Morgen?

Zur Zeit diskutieren beide mit dem Umfeld (es gibt ein Doppelsekretariat), ob es eine Lösung über eine Kollegin oder die Auszubildende geben kann. Doch welche Dienstleistungen können diese erbringen, die ja eben nicht „seine“ Assistentin sind? Und welcher Aufwand entsteht, den Informations- und Arbeitsfluss auf mehrere Schultern zu verteilen?

Im Coaching haben beide vereinbart, dass sie den Tag um 08:30 Uhr mit dem Office-Jour-Fixe starten. Dann sind zwar von der Assistentin die Mails des Morgens noch nicht bearbeitet, aber alle vom Abend. Und sie ist fit und er hat schon einiges angeschoben oder erledigt.

Wie ist das bei Ihnen geregelt? Gehören Sie zu den Klassikern, nämlich der Lerchen-Assistentin und dem Eulen-Vorgesetzten? Oder sind sie jeweils beide Lerche oder beide Eule? Schreiben Sie mir.

Zwei für einen?!

Die Konstellation, dass zwei Assistentinnen für einen Vorgesetzten arbeiten findet sich entweder „weit“ oben in der Hierarche oder als Jobsharing bzw. Teilzeit-Modell im mittleren Management. Damit diese Zusammenarbeit gelingt, gibt es zwei gegensätzliche Ansätze:

  • Beide machen alles und sprechen sich ab, wer sich gerade um was kümmert.
  • Die Aufgabengebiete sind zwischen den Kolleginnen aufgeteilt.

Es gibt an dieser Stelle keine eine Lösung, die immer richtig ist. Zum einen spielt der Chef hinein. Wird sich dieser darauf einlassen, dass die Reiseorganisation A macht und die Besprechungsorganisation B? Wenn sich zwei einen Arbeitsplatz teilen, wird oft die Variante „beide alles“ bevorzugt.Wenn zwei in Vollzeit für einen Vorgesetzten arbeiten, findet sich das Modell der Aufgabengebiete. Es kann aber auch anders herum gut funktionieren. Auch das Verständnis der Assistentinnen und die Frage der Qualifikationen und der Berufserfahrung spielt hinein.

Was ist zu beachten?

  • Wenn zwei für einen Chef arbeiten ist es unabhängig vom gewählten Ansatz wichtig, dass Prozesse und Abläufe transparent sind. Checklisten (Papier oder elektronisch) sind dafür ein bewährtes Hilfsmittel. Dort kann die Kollegin nachlesen, ob die Abendeinladung in Paris bereits erledigt ist oder nicht – auch wenn der Vorgang von der Tischnachbarin bearbeitet wird.
  • Beide brauchen eine regelmäßige „Aussprache“ untereinander.
  • Zu klären ist auch, ob es eine Rücksprache zu dritt gibt oder jede ihre Dinge mit dem Vorgesetzten durch spricht.
  • Die Arbeitsstile der beiden Kolleginnen müssen nicht übereinstimmen – aber es braucht Respekt für den Arbeitsstil der Kollegin. Dort, wo für den Vorgesetzten Ergebnisse erstellt werden, gilt sowieso, was und wie er oder sie es haben will.
  • Ganz wichtig ist es, dass sich beide auf ein System für die laufenden Vorgänge einigen. So ist jede in den Vorgängen der anderen auskunftsfähig.

Das sind Fallen

  • Gerade bei der Jobsharing-Variante fehlt oft  die Absprachen- und Informationszeit untereinander. Aus meinen Beratungen kenne ich, dass dann privat telefoniert wird, um die Kollegin auf das Laufende zu bringen.
  • Manche Vorgesetzte sind auch nicht bereit, den Arbeitsplatz auf z. B. 110 oder 120 % aufzustocken – denn erst dann können beide Teilzeit-Assistentinnen auch gleichzeitig am Arbeitsplatz sein.
  • Teilweise ist auch das Büro zu klein, um zwei Schreibtische zu stellen. Für die Sekretariats-Rücksprache reicht auch das Büro mit dem einen Schreibtisch.
  • Eine andere Falle kann die eigene Hilfsbereitschaft sein. Wenn für einen Vorgang die Kollegin verantwortlich ist, sollte diese auch den Vorgang bearbeiten. Ein „Können Sie mal schnell für mich“ des Vorgesetzten erhöht den Kommunikationsaufwand der Kolleginnen. Gerade, wenn das Umfeld gerne auf den letzten Drücker arbeitet, ist die Verführung groß. Bleiben Sie standhaft! Für eine gute Zusammenarbeit mit der Kollegin und gute Prozesse sind zwei Köche schon zu viele für einen guten Brei.
  • Auch der Vorgesetzte kann eine „Falle“ sein. Je nach dem, wie das 2er-Team der  Assistentinnen entstanden ist, gibt es für manche Vorgesetzte eine „erste“ Sekretärin und eine „zweite“. Ansprechperson ist dann die „erste“ Sekretärin. Für die beiden Kolleginnen kann das eine Bewährungsprobe für das Miteinander sein. Manchmal sind es kleine Schritte, die den Chef verändern. Die „zweite“ kann versuchen, ihre eigenen Themen mit dem Chef zu klären. Die „erste“ holt die zweite zur Rücksprache mit dem Vorgesetzten mit dazu, wenn es um deren Themen geht. Hilfreich kann auch das Tauschen der Sitzplätze sein. Manchmal gibt es aber auch Unverbesserliche.
  • Wenn das Generationen-Thema mit hineinspielt, kann die jüngere Assistentin diese Stelle auch als Sprungbrett für ein eigenes Sekretariat als „erste“ betrachten – und nach einer guten Lernzeit wechseln.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihr Sekretariatsteam – und einen Vorgesetzten, der Sie Team sein lässt.